Mit der Zulassung zum Studium ist ein wichtiger Meilenstein erreicht. Für viele Studierende mit Fluchterfahrung bestehen jedoch auch während des Studiums besondere Herausforderungen. Zusätzliche Unterstützung kann dazu beitragen, Chancengleichheit zu fördern und den Studienerfolg zu stärken. 

Gespräche mit geflüchteten Studierenden zeigen, dass insbesondere die Orientierung im Studienalltag, die Studienfinanzierung, Leistungsnachweise, die soziale Integration sowie der Übergang in den Arbeitsmarkt herausfordernd sind. 

Hochschulen können hier mit gezielten Massnahmen ansetzen. Besonders wirksam sind niederschwellige Anlaufstellen, Angebote für Mentoring- und/oder Coaching, eine gute Vernetzung mit bestehenden Beratungsdiensten sowie leicht zugängliche Informationen zu Unterstützungsmöglichkeiten. Auch Sensibilisierungsmassnahmen für Mitarbeitende und Lehrpersonen sowie der Austausch mit anderen Hochschulen können dazu beitragen, strukturelle Hürden abzubauen. 

Der Empfehlungskatalog stellt nachfolgend verschiedene Unterstützungsmassnahmen vor. Dazu zählen Mentoring- und Coachingangebote, die sich als wirkungsvolle Instrumente zur individuellen Begleitung von Studierenden mit Fluchterfahrung erwiesen haben und im zweiten Kapitel vertieft behandelt werden. 

  • Empfehlungskatalog mit Unterstützungsmassnahmen

    Wie können Hochschulen Studierende mit Fluchterfahrung während des Studiums gezielt unterstützen? Unser Empfehlungskatalog bündelt Erkenntnisse aus Gesprächen mit geflüchteten Studierenden und zeigt konkrete Handlungsmöglichkeiten für Hochschulen auf. 

    Im Fokus stehen fünf zentrale Themen: Orientierung im Studienalltag, Studienfinanzierung, Leistungsnachweise, soziale Integration sowie der Übergang in den Arbeitsmarkt. Zu jedem Themenbereich werden Herausforderungen beschrieben und praxisnahe Massnahmen vorgestellt. 

    Zu den Empfehlungen gehören unter anderem: 

    • leicht zugängliche Informations- und Beratungsangebote, 
    • Mentoring- und Coachingprogramme, 
    • eine bessere Vernetzung bestehender Unterstützungsangebote, 
    • Sensibilisierung von Lehrenden und Mitarbeitenden sowie 
    • die Förderung sozialer und beruflicher Vernetzung. 

     

    Der Empfehlungskatalog richtet sich an Hochschulen und Organisationen, die ihre Unterstützungsangebote weiterentwickeln und den Studienerfolg von Studierenden mit 

  • Mentoring & Coaching

    Durch Mentoring- und Coachingangebote können Hochschulen Studierende mit Fluchterfahrung beim Einstieg und während des Studiums gezielt unterstützen und begleiten. Sie erleichtern die Orientierung im Hochschulalltag, fördern die soziale Einbindung und bieten Unterstützung bei fachlichen, organisatorischen und persönlichen Fragen. 

    Gerade zu Beginn des Studiums kann der Bedarf an individueller Begleitung hoch sein. Niederschwellige Angebote, eine gut zugängliche Anlaufstelle und eine proaktive Kontaktaufnahme können dazu beitragen, Hürden frühzeitig zu erkennen und den Studienerfolg zu fördern. 

    • Mentoring

      Beim Mentoring begleitet ein*e Mentor*in einen*e Mentee über einen längeren Zeitraum. Im Hochschulkontext übernehmen häufig Studierende die Rolle der Mentor*innen. Sie teilen ihre Erfahrungen, unterstützen bei konkreten Fragen und helfen den Mentees, sich an der Hochschule und im Studienalltag zurechtzufinden. 

      Ein Mentoring kann unter anderem: 

      • den Einstieg ins Studium erleichtern,  
      • Orientierung im Hochschulalltag geben,  
      • den Austausch mit anderen Studierenden fördern,  
      • bei organisatorischen und studienbezogenen Fragen unterstützen,  
      • auf Beratungs- und Unterstützungsangebote aufmerksam machen,  
      • beim Aufbau eines sozialen und akademischen Netzwerks helfen.  

       

      Ein Mentoring kann durch einen studentischen Verein, einen Fachbereich oder eine zentrale Stelle der Hochschule organisiert und koordiniert werden. Idealerweise ist das Mentoring an eine institutionelle Anlaufstelle angebunden. So können Mentor*innen Fragen oder Situationen, die ihren Aufgabenbereich überschreiten, weitergeben und erhalten Unterstützung in schwierigen Situationen. 

      Mentoring muss nicht zwingend, als 1-zu-1-Begleitung organisiert werden. Je nach Zielgruppe und Ressourcen sind auch Gruppentreffen oder Community-Formate möglich. Regelmässige Treffen, Gruppenangebote und Community-Formate können das individuelle Mentoring ergänzen oder ersetzen. 

      Ein Beispiel dafür ist die Kompass Community – Universität Bern. Sie schafft einen Rahmen für Austausch und Begegnung und ergänzt die individuelle Begleitung durch gemeinsame Aktivitäten und Kontakte mit anderen Studierenden.  

       

      Mentor*innen begleiten und anerkennen 

      Mentor*innen übernehmen eine verantwortungsvolle Aufgabe. Deshalb ist es wichtig, sie auf ihre Rolle vorzubereiten und während des Mentorings zu begleiten. 

      Zu Beginn sollten insbesondere die Rollen und Erwartungen geklärt werden. Mentor*innen sollten wissen, wo ihre Aufgaben und Grenzen liegen und an welche Fachstellen sie sich bei weiterführenden Fragen wenden können. Schulungen zu Themen wie Macht- und Abhängigkeitsverhältnisse, Interkulturalität und der Umgang mit schwierigen Situationen können ihnen helfen, ihre Rolle besser wahrzunehmen. 

      Auch eine angemessene Anerkennung des Engagements ist wichtig. Je nach Hochschule kann dies beispielsweise durch ECTS-Punkte, eine Bestätigung des Engagements, finanzielle Entschädigung oder einen Eintrag im Diploma Supplement erfolgen. 

       

      Aktuelle Praxisbeispiele 

      Die folgenden Beiträge geben Einblicke in unterschiedliche Formen des Mentorings: 

      • Erklärvideo zum Konzept von Mentoring, erstellt von Perspektiven – Studium in Zusammenarbeit mit Rock Your Life!: Was ist Mentoring? 
      • Beitrag der ZHAW, wie Studierende Menschen mit Fluchterfahrung im Rahmen eines Mentoringprogramms unterstützen. Die Mentor*innen begleiten unter anderem beim Spracherwerb und bei der Orientierung im Hochschulalltag. Damit Träume keine Träume bleiben** – ZHAW, 2026 
      • Das Programm SEET zeigt zudem, wie Mentoring mit weiteren Elementen wie Netzwerkaufbau, Workshops und situativer finanzieller Unterstützung verbunden werden kann. 
    • Coaching

      Eine Ergänzung oder Alternative zum Mentoring sind Coaching-Angebote durch Hochschulmitarbeitende. Während Mentor*innen häufig auf Augenhöhe und aus der Perspektive von Studierenden begleiten, liegt der Schwerpunkt beim Coaching stärker auf der professionellen Begleitung. 

      Ein Coaching kann beispielsweise regelmässige Standortgespräche umfassen. Dabei werden die aktuelle Situation, nächste Schritte und mögliche Herausforderungen gemeinsam besprochen. Eine proaktive Kontaktaufnahme durch Hochschulmitarbeitende, die mit dieser Aufgabe betraut sind, kann insbesondere in der Anfangsphase des Studiums hilfreich sein. 

      Mögliche Themen sind beispielsweise: 

      • Studienorganisation und Studienplanung,  
      • Fragen zum Hochschulalltag,  
      • Schwierigkeiten im Studium,  
      • Vereinbarkeit von Studium, Arbeit und anderen Verpflichtungen,  
      • Nutzung von Unterstützungsangeboten,  
      • persönliche oder soziale Herausforderungen,  
      • Planung der nächsten Studien- oder Berufsschritte.  

       

      Je nach Hochschule kann das Coaching durch Mitarbeitende eines Hochschulförderangebots, der Studienberatung, eines Fachbereichs oder einer anderen geeigneten Stelle erfolgen. 

      Ein Coaching- und/oder Mentoringsystem ermöglicht damit eine kontinuierliche Begleitung während des Studiums. Wichtig ist eine klare Aufgabenteilung zwischen den verschiedenen beteiligten Stellen. Bei persönlichen, sozialen, psychischen oder rechtlichen Problemen sollten bei Bedarf spezialisierte Beratungsstellen einbezogen werden.

    • Mentoring und Coaching als Teil einer offenen Hochschulkultur

      Mentoring muss nicht zwingend ein Angebot sein, das ausschliesslich Studierenden mit Fluchterfahrung offensteht. Eine Öffnung für alle Studierenden kann dazu beitragen, Unterstützungsangebote niederschwellig zugänglich zu machen und eine inklusive Hochschulkultur zu fördern. 

      Viele Hochschulen verfügen bereits über Mentoringprogramme für Studierende, die von Fachbereichen, studentischen Organisationen oder zentralen Hochschulstellen angeboten werden. Bestehende Strukturen können gegebenenfalls genutzt und für die Bedürfnisse von Studierenden mit Fluchterfahrung ergänzt werden. 

      Neben Mentoring und Coaching tragen auch sensibilisierte Hochschulmitarbeitende zur sozialen Einbindung bei. Wenn Mitarbeitende über die besonderen Herausforderungen von Studierenden mit Fluchterfahrung informiert sind und wissen, an welche Stellen sie bei Fragen verweisen können, können Probleme frühzeitig erkannt und passende Unterstützungsangebote vermittelt werden. 

    • Praktische Umsetzung

      Für die Planung eines Mentoring- oder Coachingangebots empfiehlt es sich, insbesondere folgende Fragen zu klären: 

      • Wer übernimmt die Koordination des Angebots?  
      • Welche Aufgaben und Grenzen haben Mentor*innen bzw. Coaches?  
      • Wie werden Mentor*innen ausgewählt, vorbereitet und begleitet?  
      • Wie werden Mentor*innen für ihr Engagement anerkannt?  
      • Wie häufig finden Treffen bzw. Standortgespräche statt?  
      • Wie werden Mentor*innen und Mentees bei Schwierigkeiten unterstützt?  
      • An welche internen und externen Fachstellen können bei Bedarf Anliegen weitergeleitet werden?  
      • Wie wird die Koordination zwischen Mentoring, Coaching und anderen Beratungsangeboten der Hochschule sichergestellt?  
      • Wie können Studierende auf das Angebot aufmerksam gemacht werden?  

       

      Materialien für Hochschulen und Förderangebote 

      Perspektiven – Studium hat Materialien entwickelt, die Hochschulen und Förderangebote bei der Planung und Umsetzung von Mentoringprogrammen unterstützen. Die Unterlagen helfen dabei, Rollen und Erwartungen zu klären und die Zusammenarbeit zwischen Mentor*innen und Mentees zu gestalten. 

      Factsheets für Mentor*innen und Mentees 

      Die Factsheets geben einen kompakten Überblick über das Thema Mentoring und zeigen mögliche Chancen, Herausforderungen und Anlaufstellen auf. Sie können Mentor*innen und Mentees zu Beginn des Mentorings zur Verfügung gestellt werden. 

       

      Mentoring-Vereinbarung 

      Zu Beginn des Mentorings empfiehlt es sich, gemeinsame Ziele und gegenseitige Erwartungen zu klären. Eine schriftliche Vereinbarung kann dabei helfen, Abmachungen zu treffen, Kommunikation, Zielen und gegenseitigen Erwartungen festzuhalten. 

      Hier finden Sie eine Vorlage für eine Mentoring-Vereinbarung. 

       

      Factsheet Trauma 

      Dieses Factsheet richtet sich an Hochschulmitarbeitende und Mentor*innen, die mit geflüchteten Menschen in Kontakt stehen. Es bietet eine erste Orientierung zum Thema Trauma und möchte Unsicherheiten im Umgang mit potenziell traumatisierten Personen etwas verringern – ohne Anspruch auf fachliche Tiefe.  

      Factsheet Trauma 

       

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